In Aktion

Feste als interreligiöse Ereignisse

Dr. Sabine Dedenbach-Salazar Sáenz beschäftigt sich mit Religion, Sprache und Kolonialisierung im Andenraum.

Ausgabe 2 | 2025

In den Hochanden feiern die Menschen seit ­einigen Jahrhunderten Rituale, die von zwei Glaubenswelten erzählen: vom Christentum der spanischen Kolonisatoren und den Religionen der indigenen Bevölkerung in den Anden. Die Kulturanthropologin Dr. Sabine Dedenbach-­Salazar Sáenz untersucht, wie sich diese Religionen in Sprache und Festkultur begegneten – und was sie über Macht, Anpassung und Widerstand verraten.

Während ihres Studiums der Altamerika­nistik an der Universität Bonn spezialisierte sich Sabine Dedenbach auf die Geschichte und Sprachwissenschaft der Andenkulturen. Ein DAAD-Jahresstipendium führte sie 1977/1978 an die University of St Andrews in Schottland – ­eine prägende Zeit, die zu einem wichtigen Baustein ihrer akademischen Karriere wurde. Hier perfektionierte sie ihre Kenntnis des Quechua, einer Sprachfamilie, die für sie das Tor zu einer neuen Welt werden sollte, und wählte ihren Forschungsschwerpunkt: die Wechselwirkung von Religion, Sprache und Kolonialisierung – und ihr Einfluss auf die lokalen Feste.

„Indigene und christliche Elemente verbinden sich – diese Interaktion der Kulturen ist faszinierend.“

„Als die spanischen Eroberer die indigene Bevölkerung zum Christentum bekehren wollten, kam es unter anderem zu Übersetzungspro­blemen in den christlichen Texten“, erzählt ­Sabine Dedenbach. So nutzten die Missionare als Übersetzung und Beiwort für „Gott“ beispielsweise das Quechua-Wort „Apu“, obwohl die lokalen Gesellschaften nicht einen, sondern mehrere Apus hatten. „Wir wissen aus dem ,Manuscrito de Huarochirí‘, der einzigen umfangreichen Schriftquelle auf Quechua von etwa 1608, dass viele indigene Völker insgeheim weiterhin an ihrer eher natur­religiösen Weltanschauung festhielten.“

Es entstand eine Mischform der Festkultur, die bis heute besteht: An Dreifaltigkeit pilgern die Quechua zum Berg Ausangate, in dem sich einer der mächtigsten Apus manifestiert. Sie verehren erst ein Jesus-Bildnis in einer katholischen Kapelle, dann besteigen sie den Berg­gipfel. „Bei dieser jahrhundertealten Prozession verbinden sich indigene und christliche Elemente“, sagt Sabine Dedenbach, „und diese ­Interaktion der Kulturen ist faszinierend.“ —