Text: Miriam Hoffmeyer
Gemeinschaft schaffen und stärken
Warum Treffen für aktuelle und ehemalige DAAD-Geförderte so wichtig sind – und im Jubiläumsjahr ganz besonders.
Wir haben auf dem Schiff so begeistert getanzt, dass der Kapitän die Party mit einer Ehrenrunde um Liberty Island verlängert hat.“ Wenn sich Dr. Daniel Kramer an die DAAD-Jubiläumsveranstaltung in New York im April 2025 erinnert, ist ihm vor allem das Gefühl von Gemeinschaft besonders im Gedächtnis: „Das Schöne an dem Treffen war, dass es die Generationen zusammengebracht hat.“ Kramer leitet das International Studies Office der University of Virginia und war viele Jahre lang Direktor des Fulbright-Programms für US-amerikanische Studierende in Washington, dessen Partner der DAAD ist. „Jede und jeder hatte etwas beizutragen, so entstand enorm viel positive Energie“, sagt er. Am Ende brachte Kramer aber nicht nur gute Erinnerungen mit nach Hause, sondern auch ein US-amerikanisch-deutsches Austauschprogramm in den Fächern Medizin und Ingenieurwissenschaften. Der Empfang, der vom DAAD und der Studienstiftung des Deutschen Volkes anlässlich des 25-jährigen Bestehens des gemeinsamen Carlo-Schmid-Programms veranstaltet wurde, hatte ihn mit der entsprechenden Kollegin zusammengebracht.
„Das Schöne an dem Treffen war, dass es die Generationen zusammengebracht hat.“
Dr. Daniel Kramer, University of Virginia
Es sei kein Zufall, dass Veranstaltungen des DAAD oft direkte Ergebnisse hervorbringen, sagt Kirsten Habbich, Leiterin des DAAD-Referats Veranstaltungen. Vor allem die Treffen des DAAD für Alumnae und Alumni sowie aktuelle Stipendiatinnen und Stipendiaten verbinden fachlichen Input mit einem Austausch in lockerer Atmosphäre. „Dabei entstehen oft die besten Ideen für akademische Zusammenarbeit“, erklärt Habbich.
Das Treffen im April in New York kombinierte beispielsweise Panels zu internationalen Hochschul- und Forschungspartnerschaften oder zur Alumniarbeit in Nordamerika mit Highlights wie einem Festkonzert in der Carnegie Hall und der Abschlussfeier auf dem Hudson River. Tragfähige transatlantische Beziehungen sind nicht nur aufgrund der aktuellen weltpolitischen Situation von besonderer Bedeutung für den DAAD, sondern auch weil bereits DAAD-Gründer Carl Joachim Friedrich enge Verbindungen zu den USA unterhielt. Mit 13 Stipendien für deutsche Studierende, die Friedrich durch eine Zusage des New Yorker Institute of International Education bereitstellen konnte, begann hier vor 100 Jahren die Geschichte des DAAD.
Auf Friedrich ist auch der Leitgedanke des DAAD zurückzuführen: die persönliche Entwicklung von Menschen durch grenzüberschreitenden akademischen Austausch zu fördern. „Wir schaffen Netzwerke von Freundinnen und Freunden Deutschlands in der gesamten Welt“, sagt DAAD-Präsident Professor Joybrato Mukherjee heute. Was das globale Netzwerk des DAAD stärke und tragfähig mache, seien persönliche Verbindungen zwischen Menschen. „Begegnungen zu ermöglichen ist deshalb ein Kernstück der Arbeit des DAAD.“
Besonders viele Gelegenheiten zum gemeinsamen Feiern und Austausch bot das Jubiläumsjahr 2025. So fanden in New York, Paris und Bonn beispielsweise Treffen für Alumnae und Alumni statt. In Heidelberg, Bonn und Berlin kamen jeweils etwa 500 aktuelle Geförderte des DAAD bei großen Stipendiatentreffen zusammen. Bei den Begegnungen sollen die Teilnehmenden die Möglichkeit haben, den DAAD auch von einer persönlichen Seite kennenzulernen, erläutert Kirsten Habbich. Daher seien bei den Stipendiatentreffen in Deutschland stets Mitarbeitende aus allen Stipendienreferaten dabei. „Das ist aufwendig, aber wichtig, damit die Geförderten eine nachhaltige Bindung zum DAAD und zu Deutschland aufbauen.“ Die aktuell herausfordernde Weltlage wirke sich bislang nicht auf die Treffen aus, im Gegenteil. Manchmal kämen in dem neutralen Setting auch Menschen miteinander ins Gespräch, deren Herkunftsländer sich in Konflikten miteinander befänden. „Der Aufenthalt in Deutschland kann den Blickwinkel weiten“, sagt Habbich. „Daran zeigt sich die Brückenbauerfunktion des DAAD und wie er im besten Fall auch Austausch in schwierigen Kontexten ermöglicht.“
„Für mich war das Treffen eine Chance, mein Netzwerk zu erweitern und mich mit anderen Alumnivereinen auszutauschen, sodass alle voneinander lernen. Das hat wunderbar geklappt.“
Dr. Phuong Nguyen Thi Bich, Teilnehmerin aus Vietnam
Zum ersten Mal seit der Coronapandemie richtete der DAAD im März 2025 wieder ein Treffen für seine Alumnivereine in aller Welt aus. Vertreterinnen und Vertreter von 60 DAAD-Alumnivereinen aus mehr als 40 Ländern kamen für vier Tage in Bonn zusammen, um gemeinsam neue Vorhaben zu entwickeln. Die Vereine tragen maßgeblich zur Internationalisierung der Wissenschaft und zu lebendigen internationalen Beziehungen bei. „Für mich war das eine Chance, mein Netzwerk zu erweitern und mich mit anderen Alumnivereinen auszutauschen, sodass alle voneinander lernen. Das hat wunderbar geklappt“, sagt Dr. Phuong Nguyen Thi Bich von der University of Social Sciences and Humanities (USSH) in Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Germanistin ist stellvertretende Vorsitzende der Vietnamesisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft (VDFG), des mit rund 300 Mitgliedern größten Vereins von Deutschland-Alumni im Süden Vietnams. Etwa die Hälfte der Mitglieder sind DAAD-Alumnae und -Alumni. 2025 unterstützte die VDFG unter anderem den „German Career Truck“, mit dem der DAAD an vielen Stationen in Vietnam über Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland informierte.
Besonders geschichtsträchtig fiel das Jubiläumstreffen für Stipendiatinnen und Stipendiaten im April an der Universität Heidelberg aus – dem Ort, an dem der DAAD 1925 gegründet worden war. In seiner Festrede hob Professor Stephan Harbarth, Präsident des Bundesverfassungsgerichts und DAAD-Alumnus, hervor, was der DAAD seit 100 Jahren kontinuierlich leiste – Brücken zu bauen zwischen Menschen, Kulturen, Wissenschaftssystemen und Disziplinen. Seine Wertschätzung für die Arbeit des DAAD war ebenso deutlich spürbar, wie das Treffen in Heidelberg erlebbar machte, was den DAAD auszeichnet: gelebte Vielfalt, internationale Freundschaften und der feste Glaube an die Kraft des Austauschs.
Geförderte aus 90 Ländern kamen beim Treffen an der Universität Bonn zusammen, einem ebenfalls symbolträchtigen Ort in der Geschichte des DAAD: Nach dem Zweiten Weltkrieg im August 1950 wurde im Senatssaal dieser Universität der DAAD wiederbegründet. „Die Mischung hat mir gut gefallen“, sagt Juan Torres Celi. Er forscht aktuell mit einem EPOS-Stipendium am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn und war als Stipendiat zu dem Treffen eingeladen: „Zuerst die feierliche Eröffnung, danach nützliche Infos zu Förderprogrammen oder Versicherungen – und dann natürlich die Möglichkeit, Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen.“ Auch einen Freund aus seinem Deutschkurs traf der Doktorand aus Ecuador bei der Veranstaltung wieder.
Beim Stipendiatentreffen in Berlin zeigte sich Bundesaußenminister Johann Wadephul beeindruckt von den Biografien der Geförderten, mit denen er vor der Veranstaltung ins Gespräch gekommen sei: „Sie sind ein Teil des globalen Austauschs und der persönlichen Begegnung zwischen Menschen, ohne die Wissenschaft und akademische Bildung nicht möglich sind – ohne die aber auch Außenpolitik nicht möglich ist“, betonte er in seiner Eröffnungsrede. Etwa 500 Geförderte genossen an der Freien Universität Berlin nicht nur das offizielle Rahmenprogramm, sondern auch das festliche Abendessen und die anschließende Party im Berliner Admiralspalast.
Auch an Bord eines Schiffes auf dem Rhein in Bonn wurde das Jubiläum gefeiert und die Vernetzung des DAAD zur Stadt Bonn betont, dem heutigen Standort der DAAD-Zentrale. Die Feier würdigte all jene, die den DAAD auf seiner langen Reise begleiteten und durch ihre Arbeit täglich lebendig halten, darunter 800 aktuelle und ehemalige DAAD-Mitarbeitende, Bonns seinerzeitige Oberbürgermeisterin Katja Dörner sowie Partnerinnen und Partner aus der Region Bonn. Das Schiff erinnerte dabei an die ersten Stipendiatinnen und Stipendiaten, die vor 100 Jahren auf dem Seeweg in die Vereinigten Staaten reisten – eine Strecke, die 1925 immerhin zehn bis zwölf Tage dauerte. „Den Satz, den wir von unseren Alumnae und Alumni am häufigsten hören, ist, dass die Förderung für sie ein lebensverändernder Moment gewesen ist“, sagt DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee. „Wir wollen weiterhin durch internationalen akademischen Austausch einen maßgeblichen Beitrag zur persönlichen Entwicklung international und weltoffen denkender Menschen leisten und dadurch den uns alle gemeinsam betreffenden globalen Wandel erfolgreich gestalten.“ Für Daniel Kramer von der University of Virginia war sein DAAD-Stipendium in Regensburg 1990 ein solcher Moment: „Mein Deutschlandjahr war nicht nur sehr aufregend, sondern auch ein Sprungbrett für meine Karriere“, sagt er. „Wie viele andere Alumnae und Alumni möchte ich gern etwas zurückgeben.“ Das in New York entwickelte Projekt könnte eine Idee dafür sein. —
Wegbereiter des Wandels
Lernen Sie außergewöhnliche DAAD-Alumnae und -Alumni kennen, die in Wissenschaft, Gesellschaft oder Kultur neue Perspektiven geschaffen, Barrieren überwunden und nachhaltige Veränderungen bewirkt haben. Im Jubiläumsjahr hat der DAAD ihre Geschichten in multimedialen Porträts umgesetzt. Schauen Sie doch mal rein!
Jubiläums-Website: www.daad.de/100jahre
Grußwort des Bundespräsidenten zum Jubiläum
Höhepunkt des DAAD-Jubiläumsjahres war der Festakt am 6. Mai 2025 im Berliner Humboldt Forum, an dem rund 500 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft teilnahmen. In einer Videobotschaft hob Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Rolle des DAAD als „Türöffner der Außenwissenschaftspolitik“ hervor. „Ich habe erlebt und erlebe weiterhin, wie akademischer Austausch Menschen aus allen Kontinenten zu Freunden, ja Botschaftern unseres Landes macht, von denen uns viele lebenslang verbunden bleiben“, sagte er.