Im Austausch

Von Praktika bis Partnerschaft

Mehrere Programme des DAAD feierten im Jahr 2025 wichtige Jubiläen. Wir haben Programmverantwortliche gefragt, was sie auszeichnet.

Ausgabe 2 | 2025

„RISE ist eine Marke geworden“: 20 Jahre RISE Germany

Gabi Knieps (rechts), Referatsleiterin Stipendien Nordamerika/RISE, und Michaela Gottschling, Teamleiterin RISE-Programm

Was gibt’s zu feiern?

Seit zwei Jahrzehnten begeistert RISE Germany Bachelorstudierende aus ­Nordamerika, dem Vereinigten Königreich oder Irland für ein Forschungspraktikum in Deutschland. Die jährlich 300 Geförderten kommen aus den MINT-Fächern, treffen hier auf wissenschaftlichen Nachwuchs, können den Forschungsalltag entdecken und Deutschland erleben.

Warum ist das Programm so wertvoll?

RISE ist es gelungen, ein transatlantisches Netzwerk aufzubauen, das auch dank der Begeisterung unserer Partnerorganisationen und deren finanziellem Engagement weiterwächst. Weil das Interesse an Deutschland als Studien-, Forschungs- und Arbeitsstandort früh geweckt wird, kehren viele Geförderte im Lauf ihrer akademischen Karrieren wieder oder unterstützen das Programm später als Gastgeber. Folgeprogramme wie RISE Professional und RISE Weltweit zeigen die Dynamik und das Potential des Programms.

Welche Vorteile hat es, wenn ein Programm so lange läuft?

5.800 Stipendien für Forschungspraktika in Deutschland: Das ist eine beein­druckende Zahl. RISE ist eine Marke geworden, die für eine langfristige Bindung an Deutschland steht. Wir ermöglichen Austausch und Erfahrungen, die die Zukunft von Wissenschaft und Techno­logie prägen, Wirkung auf Gesellschaften haben und internationale Freundschaften fördern.

Was war ein Highlight?

Die Stipendiatentreffen mit den kleinen Fachkonferenzen in Heidelberg. Sie werden feierlich unter Beteiligung hochrangiger Abgesandter der Botschaften begangen. In Vorträgen zeigen die RISE-Stipendiatinnen und -Stipendiaten ihre Begeisterung für die hochaktuellen Forschungsprojekte, an denen sie arbeiten.

Was wünschen Sie dem Programm?

Wir möchten das Programm ausbauen und in Zukunft 400 Stipendien im Jahr vergeben. Mit dem Bewerbungsrekord für 2026 gehen wir in die richtige Richtung. Eine andere Aufgabe der Zukunft wird es sein, die Geförderten erfolgreich im Dschungel von Reisebeschränkungen und Visa-Regelungen zu begleiten.

„Internationalisierung vorantreiben“: 20 Jahre Research in Germany

Dr. Berenike Schröder, Leitung Referat Internationales Forschungsmarketing, DWIH-Geschäftsstelle im DAAD

Was gibt’s zu feiern?

Seit 2006 präsentiert die Initiative Research in Germany – Land of Ideas, gefördert von der Bundesregierung, den Wissenschafts- und Innovationsstandort Deutschland im internationalen Raum und macht ihn weltweit bekannt.

Warum ist das Initiative so wertvoll?

Unzählige inter­nationale Forschende aller Karrierestufen konnten wir über webbasierte Maßnahmen und eine Zeit lang auch über Präsenzveranstaltungen für den Standort Deutschland begeistern und gewinnen. Wir haben inländische Akteure – Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen – bei der Weiterentwicklung ihrer Internationalisierungsstrategien und ihrem Forschungsmarketing begleitet. Das Ergebnis ist eine Bekanntheit und Beliebtheit des Forschungsstandorts Deutschland in der Welt, die vor 20 Jahren so noch nicht gegeben war.

Welche Vorteile hat es, wenn ein Programm so lange läuft?

Deutschland ist nach den USA das zweitwichtigste Gastland für internationale Forscherinnen und Forscher. Research in Germany hat erheblich dazu beigetragen. Und für den Wissenschaftsstandort Deutschland sprechen sehr gute Gründe: Die im Grundgesetz verankerte Wissenschaftsfreiheit, eine sehr gute Forschungsinfrastruktur, ein staatliches Bekenntnis zur Forschungsfinanzierung und eine im Kern weltoffene Gesellschaft.

Was war ein Highlight?

Alle, die sich lange Jahre für Research in Germany engagiert haben, erinnern sich besonders an inspirierende Zusammenarbeit – teils auf Messen oder internationalen Konferenzen, und auch im Verbund mit vielen Akteuren unseres Wissenschaftssystems.

Was wünschen Sie dem Programm?

Wir sehen für die Zukunft eine Vielfalt von neuen Maßnahmen, mit denen wir auf geo- und wissenschaftspolitische Herausforderungen unserer Zeit reagieren und die Internationalisierung unseres Standorts weiter erfolgreich vorantreiben können.

„Wenn aus Neugier Partnerschaft wird“: 50 Jahre Ostpartnerschaften

Susanne Lüdtke, Leiterin DAAD-Referat Kooperationsprojekte in Europa, Südkaukasus und Zentralasien

Was gibt’s zu feiern?

Wir feiern unzählige Kooperationsprojekte zwischen Hochschulen in Deutschland und im östlichen Europa, die seit 1975 aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert werden konnten.

Warum ist das Programm so wertvoll?

Das Programm Ostpartnerschaften wurde aufgelegt, als die Partnerhochschulen noch in der damaligen Sowjetunion und den sogenannten Ostblockstaaten lagen. Seither haben wir „Zeitenwenden“ und Epochenbrüche erlebt und gerade da zeigt das Programm seine Stärke. Der langfristige Aufbau der Partnerschaften hat zu tragfähigen Kontakten und Vertrauen geführt, sodass der akademische Austausch mit dem östlichen Europa trotz geo- und gesellschaftspolitischer Umwälzungen aufrechterhalten und ausgebaut werden konnte.

Welche Vorteile hat es, wenn ein Programm so lange läuft?

Kontinuität, Verlässlichkeit und Flexibilität. Ich freue mich immer wieder darüber, wie gut die Hochschulen mithilfe der Ostpartnerschaften auf neue Herausforderungen reagieren. Beispiele sind die Umwidmung von Mitteln für den digitalen Austausch während der Coronapandemie oder für die Zusammenarbeit mit ukrainischen Hochschulen angesichts des russischen Angriffskriegs.

Was war ein Highlight?

Es ist wirklich schön zu erleben, mit wie viel Engagement Hochschulmitarbeitende und Lehrende die flexiblen Möglichkeiten des Programms nutzen und einsetzen, um ihre Kooperationen zu gestalten. Das belegen auch die vielfältigen Rückmeldungen, die wir kürzlich bei einer Umfrage unter den Projekten bekommen haben. Da weiß man dann immer, wofür man arbeitet.

Was wünschen Sie dem Programm?

Auch in der aktuellen politischen Situation bewährt sich unser flexibles Programm, zusätzlich mit Anbahnungsreisen oder begleitenden digitalen Instrumenten. So entstehen jetzt zunehmend Partnerschaften mit Hochschulen etwa im Südkaukasus oder in Zentralasien. Ich wünsche dem Programm, dass es immer so offen für neue Herausforderungen und zukunftsorientiert bleibt wie in den vergangenen 50 Jahren!

„Eine einzigartige Schatzkiste“: 10 Jahre Dhoch3

Stefan Buchholz, Programmkoordinator Dhoch3 im DAAD

Was gibt’s zu feiern?

Vor zehn Jahren erhielt das Programm Dhoch3 die erste Förderung durch das Auswärtige Amt, um die universitäre Ausbildung von künftigen Deutschlehrkräften im Ausland inhaltlich und didaktisch zu unterstützen. Bis heute haben 6.000 Personen die inzwischen elf digitalen Studienmodule genutzt.

Warum ist das Programm so wertvoll?

Das Unterrichtsmaterial in diesen Modulen entsteht seit Beginn im Austausch mit einer internationalen Community aus Dozierenden im Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF). Jedes Modul enthält eine Vielzahl thematischer Fachtexte und eine Fülle an didaktischen Materialien, die von den Modulteams und ihren internationalen Partnern zusammengestellt wurden. Die Vielfalt der in Dhoch3 vereinten Themen reicht von didaktischen Ansätzen bis hin zur Hilfestellung im Umgang mit elektronischen oder ästhetischen Medien. Diese Schatzkiste ist weltweit einzigartig, die Registrierung und Nutzung kostenlos.

Welche Vorteile hat es, wenn ein Programm so lange läuft?

Es ist lebendig, denn es erfährt ständige Weiterentwicklung. Um im Bild zu bleiben: Die Schatzkiste wird nie abgeschlossen. Fachtexte sind immer aktuell, die Inhalte der Module pro Förderphase auf den neuesten Stand gebracht. Es geht auch wechselseitig um Wissenstransfer. Neues wird erprobt und durch Rückmeldungen seitens der Nutzenden überarbeitet. Wir bieten Fort- und Weiterbildungen und machen Angebote zur Vernetzung für alle, die das Material verwenden.

Was war ein Highlight?

Für mich als Koordinator ist die Idee der Sommerschulen besonders erfreulich. Da kommen 20 Deutschlehrkräfte aus allen Teilen der Welt für eine Woche zur intensiven Fortbildung nach Bonn. Es entsteht eine wunderbare Dynamik in der Gruppe und man kann erleben, wie sie über Kontinente hinweg Austausch und Zusammenarbeit inspiriert.

Was wünschen Sie dem Programm?

Mehr regionale Varianten der Module wären ein Ziel für die nächsten Jahre. Außerdem wünsche ich dem Programm, dass es den wissenschaftlichen Nachwuchs noch stärker erreicht. Junge Menschen werden die Fächer DaF und Germanistik in ihren Ländern zukünftig prägen. Ihre Ideen sind gefragt.

„Globale Herausforderungen lokal betrachten“: 5 Jahre Globale Zentren

Hanna Cornelius, Referentin Globale Zentren für Klima/Umwelt und Gesundheit/Pandemievorsorge im DAAD

Was gibt’s zu feiern?

Vor fünf Jahren sind acht Globale Zentren für Klima, Umwelt, Gesundheit und Pandemievorsorge in Ländern des Globalen Südens entstanden. Vor Ort – etwa in Mexiko, Thailand oder Ghana – organisieren diese internationalen Hochschulnetzwerke Forschung und Lehre über Disziplinen hinweg und betrachten globale Herausforderungen lokal.

Warum ist das Programm so wertvoll?

Das fachlich ausgerichtete Förderprogramm etabliert notwendige Strukturen, damit junge Menschen in ihren Ländern eine internationale Ausbildung erhalten. Besonders wertvoll ist dabei die übergreifende Perspektive zu den Themen Gesundheit und Klimawandel bei gleichzeitigem Blick auf die jeweilige Lebensumgebung. Für Verbesserungen in der lokalen Gesundheitsvorsorge oder die Anpassung an den Klimawandel ist das Zusammenspiel sehr relevant.

Welche Vorteile hat es, wenn ein Programm so lange läuft?

Ich freue mich besonders über die neuen Studienmöglichkeiten: Drei neue Masterprogramme sowie Ergänzungsmodule für bestehende Studiengänge wurden eingeführt. Zudem wurden zwei interdisziplinäre Doktorandenschulen aufgebaut und auch in allen anderen sechs Zentren PhD-Stipendien vergeben. Außerdem sind Weiterbildungen für Gesundheitspersonal beispielsweise zu Infektionskrankheiten oder One-Health-Ansätzen eingerichtet.

Was war ein Highlight?

Wir vernetzen die PhD-Studierenden der Gesundheitszentren miteinander – zum Beispiel durch die gemeinsame Vorstellung ihrer Forschung beim World Health Summit oder über Projekte, die von den PhDs entwickelt und verantwortet werden. So entstand etwa ein Workshop in Ghana mit mehr als 300 Teilnehmenden, der großartig war. Das Engagement der beteiligten PhDs hat mich besonders beeindruckt.

Was wünschen Sie dem Programm?

Für die Zukunft nehmen wir uns vor, die Nachhaltigkeit der Zentren stärker in den Blick zu nehmen, damit zentrale Aktivitäten wie gemeinsame Studiengänge über das Förderende 2030 hinaus mit hoher Wahrscheinlichkeit fortgeführt werden können.

„Ein Sprungbrett für Karrieren“: 25 Jahre Carlo-Schmid-Programm

Hannah Brust-Scheller, Leiterin DAAD-Referat Auslandsschulen, Praktika und Hochschulsommerkurse

Was gibt’s zu feiern?

Zum 25. Mal werden rund hundert herausragende deutsche Studierende und Graduierte für sechs bis acht Monate ein außergewöhnliches Praktikum in internationalen Organisationen, EU-Institutionen und ausgewählten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) antreten. Wir feiern das gemeinsam mit unserer Partnerorganisation, der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Warum ist das Programm so wertvoll?

Dieses Fellowship dient häufig dem Einstieg in ein internationales Tätigkeitsfeld. Aus dem Alumnikreis – dem größten und aktivsten im DAAD – kommt nachvollziehbar die Rückmeldung, dass dieser Einblick in die Arbeitsbereiche weltweit agierender Organisationen ein Sprungbrett für viele Karrieren war, ob bei der UNESCO, der Weltgesundheitsorganisation, der Weltbank, der OECD oder auch in Hochschulen oder der Privatwirtschaft.

Welche Vorteile hat es, wenn ein Programm so lange läuft?

Es ist beeindruckend zu sehen, wie das engagierte Netzwerk wächst und wieviel die Alumnae und Alumni dem Programm zurückgeben. Von inzwischen mehr als 2.000 geförderten Personen sind viele in ihren internationalen Berufsfeldern selbst Supervisorinnen und Supervisoren geworden. Sie sichern die Qualität der Betreuung der nächsten Stipendiatinnen und Stipendiaten und unterstützen uns zudem als Kommissionsmitglieder in den Auswahlgremien. Das Renommee des Programms verdanken wir nicht zuletzt unseren Fellows.

Was war ein Highlight?

Es gibt eine Entwicklung, die ein Highlight ist: Jedes Jahr bekommen wir mehr Anfragen von internationalen Organisationen, die an dem Programm teilnehmen und Praktikumsplätze ausschreiben möchten. Jedes Jahr steigen die Zahlen an Bewerbungen – 951 allein für den 25. Jahrgang, ein Rekord.

Was wünschen Sie dem Programm?

Die politische Weltlage ist sehr dynamisch im Moment, internationale Organisationen stehen unter Druck. Aber unsere Fellows kommen in Teams, in denen ihnen Arbeit zugetraut und ein Gestaltungshorizont gezeigt wird. Ich wünsche den jungen Menschen, dass sie einen guten Weg finden und vielleicht Teil von zukunftsweisenden Reformen werden.