Kompakt

Wertvolles Wissen

Das DAAD-Programm Sprache und Praxis in der VR China vermittelt neben Sprachkenntnissen auch anwendungsorientierte „China-Kompetenz“.

Ausgabe 1 | 2023

Ruth Schimanowski erinnert sich gut an den Moment im August 1999, als ihr beim Verlassen des Pekinger Flughafens die schwülheiße Sommerluft der Hauptstadt entgegenschlug. Sie, die heute die DAAD-Außenstelle in Peking leitet, hatte gerade ihr Physikstudium an der Freien Universität Berlin abgeschlossen und wollte ein Praktikum in einem in China tätigen deutschen Unternehmen absolvieren. Nach dem Abitur hatte sie eine Zeitlang in Taiwan gelebt und sprach schon etwas Hochchinesisch. Weil sie befürchtete, dass ihr Wortschatz aber zu wenig anwendungsorientiert sein würde, hatte sie sich erfolgreich um ein Stipendium des DAAD-Programms Sprache und Praxis in der VR China beworben – und so den Grundstein für ihre Karriere gelegt.

In dem 1996 initiierten Programm können die Stipendiatinnen und Stipendiaten zunächst einen Vorbereitungskurs in Deutschland besuchen, bevor sie für zehn Monate an einem Chinesisch-Sprachkurs an der Beijing Foreign Studies University teilnehmen. Anschließend absolvieren sie ein Praktikum in China. Der Bezug des Programms zur beruflichen Praxis sei ein herausragendes Element, sagt Schimanowski. Neben der Sprache gehe es vor allem darum, sich zu einer Expertin oder einem Experten für das Land weiterzubilden. Um ein Stipendium bewerben können sich Graduierte aus den Fachrichtungen Informatik, Natur-, Ingenieur-, Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften sowie Architektur.

279 Personen haben bisher an dem Stipendienprogramm teilgenommen. Viele von ihnen nutzen ihre China-Kompetenz heute beruflich. Die Hälfte von ihnen hält über den Verein SP China Alumni den Kontakt. Über die Jahre hinweg ist so ein riesiges Netzwerk aus China-Expertinnen und -Experten entstanden. Einige der Alumni und Alumnae blieben natürlich auch nach Ablauf der DAAD-Förderung im Land. „Allerdings die wenigsten so lange wie ich, also fast 25 Jahre“, sagt Ruth Schimanowski lachend. „Wenn ich in diesem Jahr mit meiner Familie nach Deutschland zurückkehre, ist das schon eine sehr große Umstellung.“