Wenn in Indien gefeiert wird, ist die Indologin Professorin Ute Hüsken oft mittendrin. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Kultur- und Religionsgeschichte Südasiens der Universität Heidelberg reist regelmäßig nach Indien – und nimmt im Rahmen von Feldforschungen auch an Festen teil. „Bei Feiern verdichten sich religiöse und kulturelle Elemente besonders“, sagt sie, „deshalb können wir daran viel über eine Gesellschaft und gelebte Religionen lernen.“ Mit ihrer Forschung trägt Hüsken dazu bei, gesellschaftliche, kulturelle und politische Dynamiken im heutigen Indien differenzierter zu beleuchten.
Feste als Spiegel der Gesellschaft
Prof. Dr. Ute Hüsken untersucht Indiens religiöse Festkulturen.
„Bei Festen werden Gesellschaftsordnungen neu verhandelt.“
Hüskens Studien zeigen unter anderem, wie sich indische und deutsche Festkulturen unterscheiden. Während in Deutschland oft im privaten Kreis oder orts- und themenbezogen gefeiert werde – Oktoberfest, Stadtfest, Weinfest –, seien die meisten Feste in Indien religiös konnotiert, stünden aber auch Menschen anderer Glaubensrichtungen offen. Manchmal könnten sie sogar, zumindest für die Festdauer, die Grenzen zwischen den Kasten aufweichen, wie Hüsken erzählt: „Mehr als einmal sah ich, wie Träger einer Gottesstatue, allesamt Mitglieder einer niedrigen Kaste, während einer Festprozession nicht mehr weiterliefen, weil sie sich von Mitgliedern der höheren Kaste nicht gut behandelt fühlten.“ Sie streikten, bis ihre Forderungen erfüllt wurden. „Bei Festen werden also auch Gesellschaftsordnungen neu verhandelt.“
Von 2019 bis 2023 leitete Hüsken das Projekt „Cultures of Learning“ im Rahmen des DAAD-Programms A New Passage to India. Es ermöglichte Studierenden, Winter Schools in Indien zu besuchen – eine Erfahrung, die von ihnen als sehr bereichernd erlebt wurde. Nur eines wünscht sie sich für künftige Winter Schools: „Bisher standen sie nur deutschen Studierenden offen. Indische Studierende – von denen wir in Heidelberg sehr viele haben – konnten nicht gefördert werden. Es wäre schön, wenn wir künftig alle gemeinsam in Indien forschen und feiern könnten.“ —