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Mein akademisches Fest

Traditionell, fantasievoll, persönlich: DAAD-Geförderte verraten hier, warum ihre Abschlussfeier besonders war.

Ausgabe 2 | 2025

Fotos im Talar

„Hinter mir liegt ein akademischer Weg, der mich um die halbe Welt führte – von Indonesien in die Niederlande, danach nach Deutschland. Ich mag die unaufgeregteren Abschlussfeiern in Mitteleuropa: Zum Master in Utrecht bekam ich von der Universität einen Händedruck, in München organisierte mein Doktorvater einen Umtrunk mit Freunden, Kolleginnen und Kollegen und Brezeln. In Indonesien laufen die Feiern formell ab. Bei meiner Bachelorfeier trug ich wie alle Graduierten Talar, Hut und eine Medaille. Es gehört dazu, professionelle Fotos machen zu lassen. Das kann teuer werden! Vor Kurzem bin ich zum ordentlichen Professor am Institut Teknologi ­Sepuluh Nopember in Surabaya, Indonesien, ernannt worden. Auch hier geht es feierlich zu: Auf die Eröffnungsrede des Rektors folgt das Vorlesen des offiziellen Schreibens des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulbildung. Anschließend hält man eine wissenschaftliche Rede über sein Hauptfach und wird schließlich mit dem Bannersymbol auf der Kleidung und einer Urkunde des Instituts­leiters offiziell ins Amt eingeführt.“

Prof. Dr. rer. nat. Edwin Setiawan aus Indonesien wurde während seiner Promotion in ­Molecular Geo- and Palaeontology an der Ludwig-Maximilians-Universität München vom DAAD gefördert. Bis 2023 war er als ehren­amt­licher DAAD Research ­Ambassador aktiv.

Feiern wie die Könige

„Wenn wir in westafrikanischen Ländern einen Abschluss machen, wird groß gefeiert! Familienmitglieder und Freunde sitzen im Publikum, manchmal nehmen auch die traditionellen obersten Regentinnen und Regenten einzelner Städte und Bundesstaaten, die sogenannten Paramount Chiefs, an der Zeremonie teil. Das ist eine große Ehre! An der University of Ghana tragen die Absolventinnen und Absolventen eine Robe mit einer ,Kente-Stola‘, einem gewebten Kleidungsstück aus buntem Stoff, das wie ein Schal über die Schultern drapiert wird. Früher trugen es nur Könige, heute ist es Ausdruck von Traditions­bewusstsein und Stolz auf die eigene Herkunft. Es gibt Trommel-Performances, Gesang und traditionelle Tänze. Ich finde: Das macht die ­Abschlussfeiern zum ­Bachelor oder Master zu etwas ganz Besonderem.“

Omotola Dorcas Olaoye aus Ghana promoviert mit einem Stipendium im Rahmen des Surplace-/Drittlandstipendienprogramms in Entwicklungsländern des DAAD am West Africa Centre for Crop Improvement der University of Ghana.

Pokémon und Kirschblüte

„Japan und Deutschland sind sehr unterschiedlich – selbst bei Abschlussfeiern. In Japan schließen alle Mitglieder eines Jahrgangs gleichzeitig ab, die Feiern finden Ende März zur Kirschblüte statt, alles ist dann zartrosa. An der Universität Kyoto tragen die Absolventinnen und Absolventen nicht nur Kimono oder Anzug, sondern auch Cosplay-Kostüme: Beson­ders beliebt sind Pokémons oder Verkleidungen, die aktuelle Nachrichten oder Gesellschaftskritik satirisch aufgreifen. Warum in Kyoto seit den 1990er-Jahren so gefeiert wird, weiß niemand so genau. Meine Theorie: Die Kyoto-Universität ist bekannt für ihren leicht rebellischen Individua­lismus. Das zeigt sich auch bei der ­Abschlussfeier.“

Shuta Watanabe aus Japan studierte von 2019 bis 2021 mit einem DAAD-Masterstipendium im Fachbereich Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Clown-Performance zum Diplom

„An meiner eigenen Uni-Abschlussfeier in Cambridge habe ich nicht teilgenommen, sondern holte mein Diplom nur im Büro ab und radelte davon. Mir war nicht nach Feiern zumute. Ich hatte mir von meinem Studium erwartet, mich frei entfalten zu können – diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. In den Jahren danach suchte ich stattdessen mein eigenes Studium in Berlin, San Francisco, Tübingen und Freiburg bei Clowns, Improvisationsdarstellerinnen und -darstellern, Tänzerinnen, Tänzern und Therapeuten. So wurde ich ein Clown, der Humor als ein wunderbares Werkzeug versteht, um die Welt zu begreifen und in der Welt zu handeln. Seit den 1990er Jahren bilde ich jedes Jahr etwa 35 Clowns selbst aus. Bei mir lernen Teilnehmende, den Narren in sich zu finden – für die Bühne und besonders für ihr eigenes Leben. Zum Abschluss führen sie ein Programm vor ihrem Freundeskreis und ihren Verwandten auf. Mit ganzem Herzen feiern wir gemeinsam. Ich überreiche ihnen ihr Diplom – ergänzt um Fotos, die ich während der Clown-Performance aufgenommen habe.“

David Gilmore ist Clown. 1972 unterrichtete er mit Unterstützung des DAAD als Englisch-Assistent an einem Gymnasium in Berlin.