Text: Christina Pfänder
Selbstheilungskräfte der Natur unterstützen
Wälder nach Krisen regenerieren: Das DAAD-geförderte Projekt Fields of Conflict bringt Nachwuchsforschende und Studierende mit Expertinnen und Experten zusammen.
Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat Spuren hinterlassen – nicht nur in den Städten und für die Menschen, sondern auch in der Natur: Wälder sind abgebrannt oder vermint, ganze Regionen zerstört. Das DAAD-geförderte Projekt Fields of Conflict – A Discourse on Socio-Ecological Forest Restoration in Times of War and Multiple Crises hat sich im vergangenen Jahr damit befasst, wie die Wälder der Ukraine nach Ende des Krieges langfristig regeneriert werden können. „In unseren Strategien berücksichtigen wir die komplexen Wechselwirkungen von Ökosystemen, lokalen Gemeinschaften und ökonomischen Aspekten“, erklärt Projektleiter Pierre Ibisch, DAAD-Alumnus und Professor für Sozialökologie der Waldökosysteme an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Die wirtschaftlichen Interessen gehen über die kommerzielle Holzwirtschaft hinaus: „Bedeutsam ist für die ländliche Bevölkerung vor allem die Brennholznutzung, aber auch Nichtholzprodukte wie Pilze oder Beeren spielen eine wichtige Rolle.“
Da derzeit keine Exkursionen in die Ukraine möglich sind, reisten die Projektteilnehmenden – Studierende und Nachwuchsforschende aus Rumänien, der Republik Moldau, Deutschland und der Ukraine – in die rumänischen Karpaten. Dort erforschten sie intakte, naturbelassene Wälder und tauschten sich mit lokalen Expertinnen und Experten über Walderhaltung und Waldbewirtschaftung aus.
Studienreisen nach Brandenburg und Workshops in Eberswalde stellten die Folgen von Waldbränden, Bergbau, intensiver Bewirtschaftung, Monokulturen und die Auswirkungen des Klimawandels ins Zentrum – Herausforderungen, vor denen auch die Ukraine steht. „In verschiedenen Wäldern und auf ehemaligen Waldbrandflächen konnten wir verdeutlichen, über welche Selbstheilungskräfte die Natur verfügt“, erläutert Ibisch. „Natürliche Prozesse, die zum Beispiel die Ansiedlung von sogenannten Pionierbäumen umfassen, sind effektive und kostengünstige Methoden zur Regeneration von Wäldern; diese sollten auch zur zukünftigen Entwicklung der schwer beschädigten Waldgebiete der Ukraine gezielt genutzt werden.“ Es gibt allerdings neben der Minen- und Munitionsbelastung auch noch ganz andere Herausforderungen. So haben etwa im Gebiet des havarierten Atomreaktors von Tschernobyl durch Beschuss ausgelöste Waldbrände zu einer erneuten Mobilisierung von radioaktiven Partikeln geführt. „Es ist wirklich tragisch, wie sehr Mensch und Natur in der Ukraine in so vielfacher Hinsicht unter dem Krieg leiden“, sagt Pierre Ibisch. „Letztlich sind auch die ökologischen Schädigungen und der entsprechende Ökozid Teil der russischen Kriegsführung.“ Nicht zuletzt deshalb hofft Ibisch auf ein baldiges Ende des Krieges – und die Umsetzung der im Projekt diskutierten Ansätze des Wiederaufbaus. —