Text: Carola Hoffmeister
„Zusammenarbeit entsteht, wo Menschen im Gespräch bleiben“
Die DAAD-Außenstelle New York steht seit 55 Jahren für stabile Beziehungen zwischen Deutschland und Nordamerika. Als Signal in die Zukunft nimmt sie im Jubiläumsjahr das Thema Raumfahrt in den Fokus.
Vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen am East River flattern die Fahnen von 193 Staaten im Wind. An ihnen kommt Christian Strowa, Leiter der DAAD-Außenstelle New York, fast täglich auf seinem Arbeitsweg von Brooklyn nach Manhattan vorbei. Nur wenige Schritte weiter, im German House am United Nations Plaza, befindet sich die Außenstelle New York. Von hier aus koordiniert Strowa mit einem Team aus 13 Mitarbeitenden Programme für die USA und Kanada und begleitet Kooperationen zwischen Hochschulen beider Seiten des Atlantiks. „Es ist wirklich ein Privileg, zu diesem Zeitpunkt hier zu sein“, sagt er. „Wir erleben eine entscheidende Phase der transatlantischen Zusammenarbeit.“
Die Außenstelle wurde 1971 gegründet und feiert 2026 ihr 55-jähriges Bestehen. Sie betreut den akademischen Austausch zwischen Deutschland und Nordamerika, von Forschungskooperationen über Stipendien bis hin zu institutionellen Partnerschaften.
Gespräche werden wichtiger
Als Strowa 2024 die Leitung übernahm, wirkte die Lage zunächst stabil. Nach der erneuten Wahl Donald Trumps zum Präsidenten veränderten sich jedoch die Rahmenbedingungen. Seitdem geht es in vielen Gesprächen wieder stärker um konkrete Fragen: Bleiben Kooperationen planbar? Können internationale Forschende weiterhin problemlos in den USA arbeiten? „Ich sage: ja – und ich ermutige alle, die sich für einen Aufenthalt in den USA interessieren, ihre Vorhaben weiterzuverfolgen“, so Strowa.
In ihrem Jubiläumsjahr 2026 widmet sich die Außenstelle unter anderem dem Thema Raumfahrt. Gemeinsam mit dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) New York, dem Strowa als Direktor vorsteht, sind für 2026 diverse Veranstaltungen zum Thema Weltraum geplant, die Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Politik und Innovationsförderung zusammenbringen soll. „Kaum ein Forschungsfeld ist stärker auf internationale Kooperation angewiesen als die Erforschung des Weltraums“, sagt Strowa. „Das wollen wir betonen.“ Raumfahrt ist eines der zentralen Themen, bei denen sich die Ziele der deutschen Hightech-Strategie mit den Prioritäten von Research and Development des Weißen Hauses decken.
Zum Netzwerk der Außenstelle gehören Persönlichkeiten wie die NASA-Astronauten-Ausbilderin und DAAD-Alumna Grier Wilt sowie der Astrophysiker John Horack, Vizepräsident der Ohio State University und Inhaber des Neil Armstrong Chair in Aerospace Policy. Zudem arbeiten viele Alumnae und Alumni, die mit einem DAAD-Stipendium nach Deutschland kamen oder von dort in die USA gingen, heute in verantwortlichen Positionen in der Wissenschaft und fühlen sich dem transatlantischen Austausch weiterhin verbunden.
Dabei prägten politische Spannungen die Arbeit der Außenstelle von Anfang an. Als sie 1971 gegründet wurde, befand sich die Welt mitten im Kalten Krieg. Wissenschaftlicher Austausch sollte helfen, Gesprächskanäle offen zu halten – auch dann, wenn politische Beziehungen angespannt waren. „Was die Rolle der Wissenschaft angeht, befinden wir uns heute im Grunde in einer ähnlichen Lage“, sagt Strowa. „Wir sagen dabei ganz klar: jetzt erst recht.“
„Wir erleben eine entscheidende Phase der transatlantischen Zusammenarbeit.“
Heute lebt der Austausch stärker von direkten Begegnungen. Deshalb reist Strowa viel zu Universitäten, Konferenzen und Partnerinstitutionen. Im Rahmen der Germany Research and Innovation Tour (GRIT) haben sich die in den USA vertretenen deutschen Wissenschaftsorganisationen unter der Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft zusammengetan, um auf bestehende Fördermöglichkeiten aufmerksam zu machen und neue Kooperationen auszuloten. Das Interesse an internationaler Zusammenarbeit bleibt groß, sagt Strowa, auch in republikanisch regierten Bundesstaaten. Besonders aus Texas und Florida gebe es konkrete Anfragen zu Fortsetzung und Ausbau transatlantischer Kooperationen. Gerade in politisch angespannten Zeiten kann Zusammenarbeit stabilisieren – wenn der Austausch nicht abreißt. Science Diplomacy beschreibt dabei die Rolle von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Brückenbauende jenseits der Politik. Science Diplomacy bedeutet heute auch, wissenschaftliche Themen stärker in gesellschaftliche und kulturelle Kontexte einzubetten. Dafür erproben DAAD und DWIH New York neue Formate. So wurde etwa ein Kinosaal angemietet, um Werner Herzogs Dokumentarfilm „Theater of Thought“ über die Geheimnisse des menschlichen Gehirns zu zeigen – ergänzt durch einen wissenschaftlichen Fachvortrag. Eine andere Veranstaltung widmete sich dem Thema „Hearing Health in Nightlife“ und verband neurowissenschaftliche Forschung zur Wirkung von Lautstärke mit der Clubkultur, für die Berlin international bekannt ist.
Ziel ist es, neue Kontakte nicht nur an den etablierten Hochschulstandorten zu knüpfen, sondern stärker in die Breite zu gehen – auch in Bundesstaaten, die bislang weniger im Fokus standen. Gleichzeitig wird der Austausch enger mit Wirtschaft und Gründungsszene verknüpft. Programme wie RISE, in dem Stipendien für Forschungspraktika in Deutschland vergeben werden, oder das STEP USA University Program für hochschulbasierte Start-ups bringen Studierende, Forschende und junge Unternehmen zusammen und eröffnen neue Perspektiven auf transatlantische Zusammenarbeit.
Neue Beratungsstelle USA
Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die 2025 eingerichtete Beratungsstelle USA an Bedeutung, ein Zusammenschluss von Außenstelle, DAAD-Info-Center, DAAD-Informationszentrum San Francisco und dem Kompetenzzentrum für Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi). Ursprünglich richtete sie sich an Studierende und Forschende aus Deutschland, die einen Aufenthalt in den USA planten. Inzwischen funktioniert sie zunehmend in beide Richtungen: Auch internationale Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler informieren sich hier über Wege nach Deutschland – von Summer Schools und Praktika bis zu den nächsten Karriereschritten in Forschung oder Innovation. Das erfülle den transatlantischen Austausch mit neuem Leben, sagt Strowa.
Seit 55 Jahren trägt die Außenstelle New York dazu bei, dass Verbindungen entstehen und fortwirken. Oder, wie Strowa es formuliert: „Zusammenarbeit entsteht dort, wo Menschen im Gespräch bleiben.“ ―
Kennen Sie schon Grier Wilt? Die DAAD-Alumna arbeitet als Spacewalk-Flugkontrolleurin bei der NASA und bereitet Astronauten auf Einsätze im All vor. Im Video gibt sie Einblicke in ihre faszinierende Arbeit im Johnson Space Center in Texas. Schauen Sie doch mal rein!