In Aktion

Aufbau einer Weltraumapotheke

Der pakistanische Biotechnologe Dr. Imran Khan ­erforscht, wie sich Astronautinnen und Astronauten im All vor Krankheiten schützen können. Seine Forschung könnte bald auf der Internationalen Raumstation zum Einsatz kommen.

Ausgabe 1 | 2026

Text: Ana Maria März

Wenn er selbst einmal die Chance hätte, ins Weltall zu fliegen, würde Dr. Imran Khan nicht lange zögern. Bevor er seinen Weg in die Forschung fand, träumte der Biotechnologe davon, Pilot zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass er tatsächlich einmal an einem Raumflug teilnehmen wird, ist gering. Doch schon bald könnte Khans Forschung eine Reise ins All antreten.

„Eine der größten Herausforderungen für Astronauten ist der Verlust der Knochendichte in der Schwerelosigkeit“, sagt Khan. Doch die Haltbarkeit der Medikamente, die derzeit auf der Erde produziert werden, ist kurz. Am Center for the Utilization of Biological Engineering in Space (CUBES) der NASA arbeitete Khan an einem besonderen Projekt mit: Gentechnisch veränderte Pflanzen wurden so gezüchtet, dass sie ein Hormon produzierten, das Knochenschwund entgegenwirkt. „Dies ist die erste Forschungsstudie an einer NASA-Einrichtung, die den Einsatz von genmanipulierten Pflanzen zur Unterstützung der menschlichen Gesundheit bei langjährigen Weltraummissionen demonstriert“, sagt Khan. Bald könnte der Ansatz auf der Internationalen Raumstation (ISS) getestet werden. „Astronauten könnten gentechnisch veränderte Samen mit ins All nehmen, während der Mission Pflanzen wie Salat anbauen und sie entweder direkt essen oder die medizinischen Wirkstoffe bei Bedarf daraus extrahieren“, erläutert Khan das NASA-Projekt.

Dessen Erfolg sieht er auch in der Interdiszi­plinarität – ein Grundsatz, den er während seiner Zeit in Deutschland als Stipendiat des DAAD verinnerlicht hat. „Ich verdanke einen großen Teil meiner beruflichen Entwicklung dem DAAD“, sagt Khan, der als Stipendiat an der RWTH Aachen am Institut für Molekulare Biotechnologie promovierte. Danach baute er mit der Universität Bonn im Rahmen der DAAD-Projektförderung Deutsch-Pakistanische Forschungskooperationen ein Forschungszentrum an der International Islamic University Islamabad auf. Anschließend erforschte er in den USA die Herstellung von Biopharmazeutika mithilfe von Pflanzen, insbesondere durch deren Einkapselung in Pflanzenzellen. Eine Arbeit, die ihn zum Forschungsprojekt der NASA führte. Dieses sieht der Wissenschaftler als Beitrag zum Aufbau einer Art Weltraumapotheke. „Diese Forschung könnte Missionen von Menschen zum Mars unterstützen und den Beginn einer neuen Ära der Weltraumforschung einläuten.“ Heute leitet Khan ein Team an der Cornell University in New York, das an Zellen forscht, die Impfstoffe, Antikörper oder Enzyme herstellen können. —